Desmond Tutu Center

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2001, Khayelitsha | Die Künstlerinnen Brele Scholz und Uta Göbel-Groß möchten hier einen Einblick geben in das künstlerische Arbeiten am Desmond-Tutu-Center, einer Art Gemeindezentrum im Süden des Townships Khayelitsha. Verwaltungsbereiche, Versammlungsräume, eine Bibliothek, Studienräume, zwei Küchen und Werkstätten bieten den Menschen des Viertels Raum, sich zu treffen, zu feiern, zu lernen, um in Seminaren und Workshops Ausbildungen und Qualifikationen zu erwerben.

Innerhalb eines Monats entstand an der Eingangswand ein 150qm großes Wandbild, das sich aus der kreativen Auseinandersetzung vor Ort und für den Ort entwickelte. In intensivem Austausch entstanden die Bilder und Szenen, die sich um die geschwungene Wand herum erstrecken und mosaikartig eine Bildergeschichte entrollen, die sich als ein Nebeneinander und Miteinander der verschiedenen Kulturen und künstlerischen Ansätze versteht. Vom ersten bis zum letzten Arbeitstag veränderten sich die Szenarien, war das Endergebnis noch nicht absehbar. In Gesprächen und Diskussionen wurden die Hauptmotive festgelegt, wurden die Inhalte beleuchtet und geklärt, in wechselseitigen Einmischungen und Übermalungen verdichteten sich Ideen zu Bildern. Die letztendliche Bedeutung des Wandbildes bleibt beim Betrachter, der im Bild Szenen des eigenen Lebens wieder findet, aber gleichzeitig auch mythischen und traumähnlichen Inhalten begegnet.

Die Technik der SWAPS, in der alle beteiligten Künstler jeweils in die Arbeit der anderen eingreifen und sie in eigener Manier fortsetzen dürfen und sollen, erwies sich als integrativer und erweiternder Stil, eigene Begrenzungen zu überschreiten, das jeweils andere Arbeiten zu verstehen und um die Motive, Figuren, Zeichen und Symbole der anderen bereichert zu werden. Daneben entfaltete sich die Atmosphäre Südafrikas im Gesamtspektrum aller Farben, in leuchtender Buntheit und Farbvielfalt, und zeugt im Endergebnis von der Impression Südafrika.

Die Menschen der Umgebung, die das Gemeinschaftszentrum als Ort für Zusammenkünfte nutzen und die ansonsten zu einem hohen Anteil in Holz- und Wellblechhütten und wenigen Steinhäusern leben, haben die Entstehung des Wandbildes mitverfolgen und kommentieren können. Die Eröffnung vor dem fertigen Wandbild geriet zu einem Fest mit Reden, Musik, Tanz und Essen, an dem viele der in der Umgebung lebenden Menschen teilnahmen. Das Projekt, in dem erstmalig im Rahmen der Partnerschaft Aachen-Kapstadt in einem Township ein solch kreativer Austausch seinen Ausdruck fand, wurde von allen begrüßt. Und auch heute noch sprechen die Menschen von „ihrem Bild“ an „ihrer Wand“.

HIER können Sie die intensiven Empfindungen der Künstlerinnen während ihres Aufenthalts und ihrer Arbeit in ihren Wochenberichten nachlesen.